Das ganze Unternehmen begann lustig. Gobinda schlug uns diesen Trek vor. Er wollte uns unbedingt die Gurungkultur näher bringen. Ist er doch selber stolzer Gurung. Also entschieden wir ein Tag bevor wir los gingen diesen Trek zu machen. Weil es nicht touristisch ist, macht man Homestay und da die Leute nicht Englisch können, waren wir auf eine nepalesische Begleitung angewiesen. Woher nehmen? Wer hat spontan 6 Tage Zeit? In der Schweiz niemand, doch wir sind in Nepal. Es brauchte drei Telefons und Gobinda fand einen Cousin der Zeit hatte. Bhupendra ist mit seinem Bachelor fertig, ist erst 23 und hat noch nie ein solches Trekking gemacht. Doch für uns erfahrene Nepalhasen die geeignete Person. Völlig unvorbereitet kam er noch am selben Abend nach Kathmandu. Gobinda gab ihm Trekkingkleider und das Unternehmen konnte losgehen. Wir konnten es kaum glauben wie unkompliziert die Welt sein kann. Die letzten Utensilien die er brauchte, kaufte er sich noch in Besi Sahar. Wow, da könnte man sich eine Scheibe abschneiden!
Der Trek führte uns durch die Hügel von Nepal. Das heisst Hügel auf um oben auf dem Hügel wieder ins Tal zu gehen und vom Tal wieder auf den nächsten Hügel zu steigen. Oft war der Weg aus Steinplatten und wir gingen unzählige Treppenstufen hoch und runter. Optimales Training für unsere Beine;-) Wir nannten es Bauch, Beine, Po. Es ist ein Detail, dass das einzige was wir für den Bauch machte Dal Bhat essen war. Wieder unserer Erwartung hatten wir von Ghalegaun eine atemberaubende Aussicht auf den Manaslu. Wir konnten einen wunderschönen Sonnenuntergang sehen.
Nebst den Bergen waren aber auch die terrassierten Felder unglaublich. Manchmal kam es uns vor als hätten sie den letzten Quadratmeter ausgenutzt um ein Terrässchen zu machen. Überall waren die Leute auf den Feldern am Reis ernten. In Bhujung hatten sich die Dorfbewohner zusammen gelegt und sich drei Transportseilbahnen geleistet. Das Dorf ist riesig und die Leute müssen sicher bis zu einer Stunde zu den Felder laufen.
Dieses Dorf kam uns vor wie der Ballenberg. Beim durch spazieren konnten wir lauter interessante Sachen bestaunen. Bhupendra kam in ein richtiges Fieber und wollte uns alles zeigen und erklären. Wir sahen:
Eine Frau beim Spinnen.
Eine Frau beim Getreide und Dreck trennen.
Wir lernten der traditionelle Gurungregenschutz kennen. Dieser brauchen sie beim Monsun um auf den Feldern zu arbeiten.
Wir bekamen Informationen zu den diversen Schmuckstücke die die Gurungs tragen.
Es war wirklich spannend und wir konnten richtig viel lernen. Was uns auch sehr bewusst wurde, ist das Heiratsproblem. Überall wollten die Leute wissen, ob wir verheiraten seien. Und überall waren sie geschockt, das wir noch nicht waren. Lokendras Tante (bei ihr übernachteten wir in Ghalegaun und Lokendra ist ein Freund von uns in Kathmandu) sagte uns, sie verstände nicht das Lokendra nicht endlich heirate, er sei beinahe zu alt zum heiraten. Lokendra ist 30! Da wussten wir woher der Wind weht. ;-)
Die Unterkünfte waren allgemein sehr schön. Wir waren in Familien die genügend Geld hatten, wir waren aber auch in ärmlichen Familien untergebracht. Überall waren sie aber sehr herzlich und nett. Wir assen leckeres Dal Bhat und sie gaben sich sehr mühe nicht zu scharf zu kochen. Beim Abschied bekamen wir jeweils Tikka und Blumen. Richtig schön!
Um den Trek abwechslungsreicher zu machen oder unsere Faulheit zu überwinden, brauchten wir verschiedene Verkehrsmittel um vorwärts zu kommen.
So konnten wir einmal in Anhänger eines New Holland mit fahren. In diesem transportieren sie sonst Sand. So kam es, dass wir von oben bis unten voller "Nepali Powder" waren. Egal, die Dusche war nur noch zwei Tag Fussmarch von uns entfernt.
Damit wir nicht um den ganzen Begnas Tal See wandern mussten, liessen wir uns mit einem Boot rüber paddeln. Eine bereits ältere Frau war unsere Kapitänin. Wir trafen sie nahe beim See. Sie war mit einem Büffel unterwegs und fragte uns ob wir bereits ein Boot hätten. Als wir verneinten sagte sie uns, sie schicke ihr Sohn. Dieser war wahrscheinlich nicht aufzufinden, so kam sie selber. So ganz konnte ich die Fahrt jedoch nicht geniessen. Bhupendra turnte zwischen durch im Boot herum ohne Angst es zu kentern und weder er noch die Frau konnten schwimmen....
Was natürlich nicht fehlte in unserem Gepäck war die Wolle und der Haken. So häkelten wir beispielsweise im Bus von Kathmandu nach Besi Sahar. Bhupendra meine dazu nur: Er hätte bereits Leute beobachtet beim Spiel machen, beim Lesen oder beim Film schauen, doch häkelnd sah er noch nie jemanden im Bus.
Das absolute Highlight erlebten wir im Gahate. Dort mussten wir auf unsere Gastgeberfamilie warten. Die Frau hatte noch das Restauräntchen offen und der Mann war auf dem Feld am arbeiten. Für uns nicht weiter ein Problem, hatten wir doch den Haken im Gepäck. Wir suchten uns ein Plätzen und häkelten frisch, fröhlich los. Was wir damit auslösten hätten wir uns nie gedacht. Plötzlich besammelten sich Schulkinder, Feldarbeiter, Frauen und ältere Leute um uns. Alle wollten sehen was diese zwei weissen, unverheiratet Schwestern da machten. Es kam uns vor als legten wir das ganze Dorf lam.
Es war ein wunderschönes Trekking mit unvergesslichen Momenten. Die Leute konnten uns so viel geben und auch wir konnten ihnen viel geben. War es auch nur das kleine Büchlein mit den Fotos aus unsere Heimat, das sie jeweils gespannt anschauten...
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